Erb-Psychologie – Gründe für die Blockade einzelner Miterben

1.      Tod und Trauer kann zur Konfliktanfälligkeit führen.

  • emotionaler Stress
  • Überforderung mit Situation
  • Unterschiedlich Umgang mit Tod und Trauer

2.      Familienkonflikte erschweren Erbauseinandersetzung

  • Geschwisterkonflikte (z.B. fühlen sich „Sandwichkinder“  subjektiv häufiger v on den Eltern benachteiligt, vgl. Kennedy, Middleborns perceptions of family realtionships, Psychological Reports 1989, 64, 755-760) Wahrnehmungsverzerrungen über elterliche Begünstigungen dürften eines der besonders hartnäckigen Gründe für Erbstreitigkeiten sein.
  • Geschlechterkonflikte

Bei der Aufteilung von Erbschaften kollidieren typischerweise zwei Muster menschlichen Teilens: das gemeinschaftliche Teilen nach Verwandtschaft und die Gleichheitsabstimmung nach Gegenseitigkeit. Zur Verdeutlichung: Verwandte gleiche Verwandtschaftsgrades werden gleich gestellt, z.B. erben leiblich Kinder jeweils anteilig. Cousins oder Geschwister meist weniger als die Kinder. Unverwandte (Ehe- oder Lebenspartner, sonstige Dritte etwa eine neuer Lebenspartner) erhalten etwas, entsprechend ihren Beiträgen für den Erblasser (vgl. Ausführungen von Prof. Harald Euler, ErbR 1/2014 S. 2ff.).

Bossong und Nussbeck haben dies experimentell bestätigt (vgl.  Konflikte bei Erbschaftsaufteilungen: Verwandtschaft, Beiträge und Aufteilungspräferenzen. Zeitschrift für Sozialpsychologie 2004, 35, S. 143-156). Die Versuchsteilnehmer schlüpften in die Roll des Erblassers und sollten verteilen. Je enger der Verwandtschaftsgrad (Sohn/Tochter; Neffe/Nichte/nicht verwandt), desto höher die Zuwendung. Personen, die sich um den Erblasser gekümmert haben, erhalten mehr. Haben sich hierbei die engen Verwandten um den Erblasser gekümmert, macht diese den gerechtesten Unterschied im Erbschaftsvolumen aus, bei den Unverwandten den größten Unterschied.

Nach einer weiteren Studie von Bossong (Gender and age differences in inheritance patterns: Why men leave more to their spouses and women more to their children. Human Nature 2001, 12, 107-122) wurde bestätigt: Männer hinterlassen mehr an den überlebenden Gatten und dafür weniger den Kindern, während Frauen den größeren Anteil den Kindern überlassen.

Insoweit dürften Frauen ein größeres Interesse daran haben, sicherzustellen, dass der überlebende Ehemann den Kindern das Erbe hinterlässt.

Offenbar wirkt sich tiefwurzelndes, „steinzeitliches“ Verhalten auf die Verteilung des Nachlasses auswirkt. Die Kenntnis, dass jemand – von Natur aus – benachteiligt wird, mag helfen, Konflikte unter Erben zu bewältigen.