Testament vom Notar?

Der künftige Erblasser wird überlegen, in welcher Form er sein Testament errichtet.

Zur Auswahl stehen das privatschriftliche eigenhändige Testament oder das öffentliche beurkundete Testament vom Notar.

Das privatschriftliche Testament kann schnell, unbürokratisch und kostengünstig errichtet werden. Aber: ein Testament sollte vom Fachmann, also einem Fachanwalt für Erbrecht, entworfen werden. Erfahrungsgemäß sind Testamente, die von Laien errichtet werden, mehrfach gefährdet: Sie werden nicht aufgefunden, sie sind unwirksam (Formmangel), anfechtbar und erheblich auslegungsbedürftig: später Erbstreit vorprogrammiert.

Vor- und Nachteile eines Testaments vom Notar

Zunächst handelt es sich bei dem Notar um einen ausgebildeten Volljuristen, der jedenfalls Grundkenntnisse des deutschen Erbrechts haben sollte. Daher dürften bei der Beurkundung des Testaments keine größeren Fehler auftauchen

Anderseits landen bei mir viele notarielle Testamente auf dem Tisch, die handwerklich bescheiden sind vor allem, weil sich der Notar offenbar nicht bemüht hat, sich umfassend mit der individuellen Situation des Erblassers und seiner Familien auseinandergesetzt hat. Vielfach werden Fragen der Ausgleichung nicht oder nur unzureichend behandelt. Manchmal finden sich Wendungen wie – hat sich „Vorempfänge auf seinen Erb- und Pflichtteil anrechnen“ zu lassen. Diese Formulierung schafft unnötigen Streit, vgl. zur Ausgleichsanordnungen in Testamenten.

Ein umfassendes Beratung  -wie sie sein sollte – wird nach meiner Erfahrung vom Notar – selten geleistet. Anders ist die beim Fachanwalt für Erbrecht.

Die Beratung erfasst aber meist nicht Fragen der Erbschafts- und Einkommenssteuer. Gerade hier lohnt sich aber eine fachgerechte Gestaltung des Testaments, insbesondere wenn Eltern und deren Abkömmlinge, bzw. entferntere Abkömmlinge, Lebensgefährten oder sonstige Dritte bedacht werden. Durch eine entsprechende Gestaltung können die Steuerlast der Betroffenen häufig erheblich reduziert werden. Erbschaftssteuerfragen sind auch Teil der Ausbildung zum Fachanwalt für Erbrecht, der hier – auch gegenüber Steuerberatern – meist besser qualifiziert ist.

Schließlich berät der Notar auch nicht, wenn Auslandssachverhalte betroffen sind, etwa bei Vermögenswerten im Ausland oder ausländischen Staatsbürgerschaften. Auch hier ist der Fachanwalt für Erbrecht der richtige Ansprechpartner, der ggf. mit ausländischen Kollegen zusammenarbeiten sollte.

Bei der Beurkundung schaut der Notar, ob der künftige Erblasser nach seiner Einschätzung testierfähig ist. Diese Einschätzung ist jedoch nur ein Indiz der Testierfähigkeit und kein Beweis. Dieser kann nur von einem Facharzt (Neurologe oder Psychiater) erbracht werden. Die Einschätzung und Erklärung eines Fachanwalts für Erbrecht oder des Hausarztes liegt insoweit auf gleicher Ebene.

Häufig wird die amtliche Verwahrung des Testaments beim Amtsgericht sinnvoll  sein. Für die Verwahrung ist ein Notar nicht nötig. Jede Erblasser kann das Testament selbst bei der Verwahrstelle hinterlegen – für pauschal 75 Euro.

Als besonderer Vorteil des notariellen Testaments wird hervorgehoben, dass die Kosten gering sind, wenn man sich dadurch die Kosten eines Erbscheins ersparen kann. Hier müssen aber mehrere Voraussetzungen vorliegen, damit ein Ersparnis überhaupt eintritt. Vielfach wird ein Erbschein nicht benötigt, weil ein entsprechender Nachweis über die Erbenstellung anderweitig geführt werden kann, bzw. gar nicht notwendig ist. Häufig kann durch eine (notarielle, bzw. beglaubigte) Vorsorgevollmacht der Nachlass abgewickelt werden – oder über den Testamentsvollstrecker.
Auch kann selbst bei unklare Rechtslage trotz notariellen Testaments ein Erbschein erforderlich werden, wenn das Grundbuchamt etwa zur Berichtigung einer Eintragung diesen verlangt.

Schließlich ist zu beachten, dass in einem Leben vielfach nicht nur ein Testament errichtet wird, sondern mehrere Testamente. Das hat gute Gründe, da sich die familiären und Vermögensverhältnisse ändern. Nach meiner Erfahrung sollte ca. alle 10 Jahre ein neues Testament erwogen werden. Errichtet man also mehrere Testamente fallen die wiederholten Notargebühren für die Testamentserrichtung ins Gewicht.

Die Anwaltsgebühren – die man vereinbaren – werden häufig deutlich niedriger sein als die Notargebühren.

Je nach Situation – aber wohl in der Mehrheit der Fälle - dürfte das – nach den Vorgaben eins Fachanwalt für Erbrecht – errichteten Testaments gegenüber dem vom Notar errichteten Testament vorteilhaft sein.

Ein Fachanwalt für Erbrecht dürfte und sollte Sie zur Form des Testaments beraten. Der Erbrechtanwalt wird Ihnen dann empfehlen, ob ein notarielles Testament oder ein privatschriftliches Testament zu errichten ist. Ich habe jedenfalls noch keinen Fall gehabt, wo ein Notar dem Ratsuchenden empfohlen hat, ein privatschriftliches Testament – nach Beratung durch einen Fachanwalt für Erbrecht – zu errichten.